Die nachfolgend zitierte Empfehlung der aktuellen S2k-Leitlinie Bakterielle Vaginose der AWMF (Registernummer 015–028, Stand 01.06.2023) ist in Bezug auf die Mitbehandlung eines Sexualpartners begründet zurückhaltend formuliert und in der Praxis damit wenig hilfreich: „Bei chronisch rezidivierenden Verläufen einer bakteriellen Vaginose kann eine Partnerbehandlung erwogen werden, wobei die Evidenz hierzu begrenzt ist.“
Auf der Jahrestagung der US-amerikanischen Infectious Diseases Society for Obstetrics and Gynecology wurde aktuell von Cat Bradshaw eine Untersuchung (NEJMoa2405404) präsentiert und diskutiert, was zu einer fundierten ACOG-Therapie-Empfehlung (Anna Powell, Jenell Coleman: Concurrent Sexual Partner Therapy to Prevent Bacterial Vaginosis Recurrence, Clinical Practice Update, December 2025) führte.
Im Rahmen einer randomisierten multizentrischen Studie wurden 137 von Bakterieller Vaginose betroffene Frauen in üblicher Weise mit Metronidazol oral oder bei Kontraindikation alternativ intravaginal mit Clindamycin oder Metronidazol-Gel behandelt. Die männlichen Sexualpartner, ausschließlich heterosexuell und monogam, erhielten zeitgleich in der Therapiegruppe oral ebenfalls Metronidazol sowie lokal Clindamycin-Gel.
In der Therapiegruppe war nach 12 Wochen bei 35 % der Frauen eine erneute Infektion zu verzeichnen (recurrence rate, 1.6/person-year, 95 % CI, 1.1–2.4) versus 63 % in der Kontrollgruppe (recurrence rate, 4.2/person-year, 95 % CI, 3.2–5.7), was einer Risikodifferenz von –2.6 entspricht (95 % CI, –4.0 bis –1.2). Bei 100 % Einhaltung des Therapieprotokolls durch den Sexualpartner war im Übrigen die Rückfallrate am niedrigsten (1.3/person-year, 95 % CI, 0.7–2.6).
Im Fazit haben somit Patientinnen in einer stabilen monogamen Beziehung mit einem männlichen Partner bei rekurrierender symptomatischer Bakterieller Vaginose einen Benefit von dessen simultaner Mitbehandlung. Treffen die genannten Kriterien nicht zu, so ist die Indikation weiterhin zu relativieren.









