Damit personalisierte Krebstherapien ihr volles Potenzial entfalten können, brauchen Patientinnen und Patienten einen verlässlichen Zugang zu qualifizierter genetischer Beratung. Eine europaweite Delphi-Studie unter Leitung des Universitätsklinikum Würzburg (UKW) benennt fünf konkrete Maßnahmen, um die wichtigsten Hindernisse für die Implementierung der Genetik in der Krebsprävention und -behandlung zu beseitigen und die genetische Beratung nachhaltig zu stärken.
Die prioritären Maßnahmen wurden im Rahmen einer sogenannten Delphi-Studie gemeinsam mit 77 Onkologen, Humangenetikern, genetischen Beratern und Patientenvertretern aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten identifiziert. Bei dem strukturierten Befragungsverfahren, das nach dem Orakel von Delphi benannt ist, bewerten Expertinnen und Experten in mehreren Runden Empfehlungen, bis sich ein gemeinsamer Konsens für die wichtigsten Maßnahmen ergibt.
Die fünf prioritären Maßnahmen aus der Delphi-Studie sind: Die Integration genetischer Fachberaterinnen und Fachberater in europäische Gesundheitssysteme, die Einbindung von Genetik-Expertise bei der Erstellung onkologischer Leitlinien, einheitliche Standards für Ausbildung, Qualifikation und Registrierung genetischer Beraterinnen und Berater, verbesserte Abrechnungspraktiken für genetische Beratung bei medizinischer Indikation und die Genetik-Ausbildung für Onkologinnen und Onkologen.
„Die Beseitigung gemeinsamer Hindernisse durch kollektives europäisches Handeln verspricht die effizienteste Erzielung verbesserter Ergebnisse. Mit dem Fahrplan der EU-Initiative ‚Joint Action on Personalized Cancer Medicine‘ haben wir klare Schritte festgelegt, um den Zugang zur genetischen Beratung in der gesamten Europäischen Union nachhaltig zu verbessern. Somit erhöhen wir die Möglichkeiten aller Patientinnen und Patienten in der EU, zur richtigen Zeit die richtige Behandlung für ihre spezifischen körperlichen und genetischen Merkmale zu erhalten“, resümiert Prof. Dr. Anke Katharina Bergmann, Direktorin des Instituts für Klinische Genetik und Genommedizin am UKW.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft









