Eine aktuelle präklinische Studie aus Halle deckt neue Mechanismen der Immunflucht beim hochgradig serösen Ovarialkarzinom auf. Durch gezielte Blockade des Proteins IGF2BP1 gelingt es, das Tumormilieu für Immuntherapien sensibel zu machen – ein vielversprechender Ansatz für therapieresistente, immunologisch „kalte“ Tumoren.
Das hochgradig seröse Ovarialkarzinom ist die häufigste und aggressivste Form des Eierstockkrebses und für den Großteil der Todesfälle bei Ovarialkarzinom verantwortlich. Insbesondere immunologisch „kalte“ Tumoren sprechen kaum auf bislang verfügbare Immuntherapien, wie etwa Immun-Checkpoint-Inhibitoren, an. Hauptgrund ist, dass sich nur wenige inaktive Immunzellen im Tumorgewebe finden und die Tumorzellen dem Immunsystem nicht mehr als fremd präsentiert werden.
Ein Team um Prof. Dr. Stefan Hüttelmaier (Universitätsmedizin Halle) analysierte die molekularen Mechanismen dieser Immunflucht gezielt. Durch Einzelzellanalysen von Gewebeproben (darunter frisches Material von rund 40 Patientinnen) konnte das RNA-bindende Protein IGF2BP1 als Schlüsselfaktor identifiziert werden: Es manipuliert die Oberflächenstruktur der Tumorzellen und ermöglicht so deren Tarnung vor dem Immunsystem.
Im präklinischen Modell zeigte sich, dass die gezielte Blockade von IGF2BP1 – mithilfe eines neuen synthetischen Moleküls – die Tumorzellen wieder für Immunzellen sichtbar macht. Besonders effektiv war die Kombination dieser Blockade mit einer Immun-Checkpoint-Therapie: Die Aktivität und Infiltration von Immunzellen im Tumorgewebe nahm signifikant zu. Die Tumorlast ging entsprechend deutlich zurück. So ließ sich erstmals eine antitumorale Reaktivierung im ursprünglich „kalten“ Tumormilieu erzeugen.
IGF2BP1 wird im adulten Gewebe kaum exprimiert und stellt daher ein attraktives therapeutisches Ziel dar. Da RNA-bindende Proteine bislang nicht klinisch genutzt wurden, markiert dieses Konzept einen neuen Ansatz in der Immuntherapie refraktärer Ovarialkarzinome.
Für eine Übertragung der Ergebnisse in die klinische Anwendung sind nun weiterführende Toxizitätsstudien erforderlich.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft









