KI-Modelle werden mit Gesundheitsdaten von Patientinnen und Patienten trainiert. Bereits die Information, dass persönliche Daten in ein Modell eingeflossen sind, kann negative Auswirkungen für die Betroffenen haben, wenn sie in die falschen Hände gerät. Im Fachmagazin Nature hat ein Forschungsteam jetzt gezeigt, dass den Modellen diese sensiblen Informationen mit der passenden Methode deutlich effektiver entlockt werden können als bislang gedacht.
Die Forschenden der Technischen Universität München, des Imperial College London und des Hasso-Plattner-Instituts konnten zeigen, dass bisherige Berechnungen zur Sicherheit von KI-Modellen irreführend sind. Angriffe, mit denen sich herausfinden lässt, ob Daten einer Person in ein Modell eingeflossen sind, werden in der Fachsprache als Membership Inference Attacks (MIAs) bezeichnet. Bislang galten gängige Medizin-KI-Modelle als weitgehend sicher vor MIAs.
Die Forschenden attackierten Modelle, die auf sieben etablierten Medizindatensätzen basierten. Grundlage für die Modelle waren jeweils unterschiedliche Datentypen wie Bildgebungsdaten, Kardiogramme oder elektronische Patientenakten. „Ein Angreifer braucht drei Dinge, um eine MIA auszuführen“, erläutert Georg Kaissis, Professor für Digital Health: Human-Centered Transformative AI am Hasso-Plattner-Institut: „Erstens braucht man Zugriff auf das KI-Modell, das angegriffen werden soll, etwa über das Netzwerk einer Klinik. Zweitens braucht man Zugriff auf einen Datenpunkt, von dem man wissen will, ob er ins Modell eingeflossen ist. Vorstellbar wäre beispielsweise, dass solche Datenpunkte bei einem Hackerangriff erbeutet werden. Drittens braucht man eigene KI-Infrastruktur – Rechner, auf denen KI-Modelle laufen, die auf dem gleichen Datentyp basieren wie das attackierte Modell.“
Mit diesem Setup ließe sich beispielsweise ein KI-Modell angreifen, das aus Blutbildern die Erfolgsaussichten für eine Krebs-Immuntherapie ableitet. Für sich genommen gibt das Blutbild keine Auskunft über eine Erkrankung. Kann ein Angreifer aber zeigen, dass ein Datenpunkt in das Modell eingeflossen ist, lässt sich mit größerer Wahrscheinlichkeit sagen, dass die Patientin oder der Patient an Krebs erkrankt ist oder war.
Die Forschenden konnten zeigen, dass die Attacken umso erfolgreicher waren, je größer und komplexer das Modell war. Dass gerade leistungsfähige Modelle angreifbar sind, zeigt aus Sicht der Forschenden, dass sich die Problematik in den kommenden Jahren ohne Gegenmaßnahmen deutlich verschärfen könnte.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft









