Das im Jahr 2020 eingeführte organisierte Früherkennungsprogramm für Gebärmutterhalskrebs zeigt erste positive Auswirkungen: Eine bundesweite Auswertung der deutschen Krebsregister weist darauf hin, dass Vorstufen von Adenokarzinomen des Gebärmutterhalses seit Einführung des kombinierten HPV- und Pap-Tests deutlich häufiger erkannt werden. Gleichzeitig deuten die Daten auf einen Rückgang invasiver Adenokarzinome bei Frauen ab 35 Jahren hin.
Die Studie basiert auf bundesweiten Daten der deutschen Krebsregister und wurde von Forschenden der Universitätsmedizin Mainz gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Krebsregister durchgeführt. Erstmals konnte anhand bevölkerungsbezogener Krebsregisterdaten untersucht werden, wie sich die Einführung des kombinierten Screenings auf die Erkrankungshäufigkeit dieser Tumorform auswirkt. Adenokarzinome machen etwa ein Fünftel aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen aus. Im Gegensatz zu den häufigeren Plattenepithelkarzinomen konnten ihre Erkrankungszahlen durch das bisherige zytologische Screening über viele Jahre kaum gesenkt werden. Als Ursache gilt unter anderem, dass Vorstufen dieser Tumoren mit der alleinigen zytologischen Untersuchung schwieriger zu erkennen sind.
Für die Analyse wurden bundesweit die Daten von 4.128 Frauen mit einem Adenocarcinoma in situ (ACIS), einer gut behandelbaren Vorstufe des Adenokarzinoms, sowie 6.244 Frauen mit invasivem Adenokarzinom ausgewertet, die zwischen 2016 und 2022 diagnostiziert wurden.
Besonders deutlich zeigte sich der Effekt in der Zielgruppe des kombinierten Screenings: Bei Frauen zwischen 35 und 64 Jahren stieg die Zahl diagnostizierter Adenocarcinomata in situ nach Einführung des Programms deutlich an. Gleichzeitig beobachteten die Forschenden ab 2021 einen Rückgang invasiver Adenokarzinome. Auch bei Frauen ab 65 Jahren wurden mehr Vorstufen diagnostiziert, während die Zahl invasiver Erkrankungen leicht zurückging. Bei Frauen unter 35 Jahren, für die weiterhin die jährliche zytologische Früherkennung empfohlen wird, war ebenfalls ein Rückgang invasiver Adenokarzinome zu beobachten. Die Autorinnen und Autoren diskutieren hierfür unter anderem mögliche Effekte der HPV-Impfung.
Die Studie unterstreicht zugleich die Bedeutung der deutschen Krebsregister für die Evaluation von Krebsfrüherkennungsprogrammen. Durch die flächendeckende Erfassung von Krebserkrankungen können Veränderungen der Erkrankungshäufigkeit über viele Jahre beobachtet und gesundheitspolitische Maßnahmen wissenschaftlich bewertet werden.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft








