Eine prospektive MRT-Studie zeigt, dass eine zweite Schwangerschaft mit strukturellen Veränderungen des Gehirns einhergeht, die sich teilweise von denen nach einer ersten Schwangerschaft unterscheiden. Funktionelle Unterschiede fanden sich nur in einzelnen Netzwerken; welche Bedeutung die Befunde für Verhalten oder Kognition haben, bleibt offen.
Eine zweite Schwangerschaft verändert die Hirnstruktur auf ähnliche, aber nicht identische Weise wie eine erste Schwangerschaft. Das zeigt eine prospektive Kohortenstudie mit 110 Frauen: 30 wurden zum zweiten Mal schwanger, 40 zum ersten Mal und 40 dienten als nicht schwangere Kontrollen. Die Frauen wurden vor der Schwangerschaft und im frühen Wochenbett mit multimodaler MRT untersucht.
Nach einer zweiten Schwangerschaft nahm das kortikale Volumen in zahlreichen Hirnregionen ab; der mediane Rückgang in den betroffenen Arealen betrug 2,8 %. Nach einer ersten Schwangerschaft waren die Veränderungen ausgeprägter und betrafen eine um 79 % größere Fläche. Im frühen Wochenbett waren die Volumenabnahmen teilweise rückläufig, hatten aber noch nicht wieder das Ausgangsniveau erreicht.
Die betroffenen Netzwerke unterschieden sich zwischen den Gruppen. Nach der ersten Schwangerschaft waren vor allem das Default-Mode- und das frontoparietale Netzwerk betroffen, die unter anderem an Selbstwahrnehmung, sozialer Kognition und höheren kognitiven Funktionen beteiligt sind. Nach der zweiten Schwangerschaft zeigten sich stärkere strukturelle Veränderungen im dorsalen Aufmerksamkeits- und im somatomotorischen Netzwerk. Zudem nahm die mittlere Diffusivität im rechten kortikospinalen Trakt ab. Eine funktionelle Veränderung der Netzwerkorganisation wurde nur für das Default-Mode-Netzwerk nach der ersten, nicht jedoch nach der zweiten Schwangerschaft nachgewiesen.
Die strukturellen Veränderungen waren in beiden Gruppen mit der Mutter-Kind-Bindung und der psychischen Gesundheit assoziiert. Daraus lässt sich jedoch weder ein kausaler Zusammenhang noch eine Beeinträchtigung bestimmter kognitiver oder mütterlicher Fähigkeiten ableiten.
Quelle: Nature Communications









