Für die Behandlung von Präeklampsie gibt es bislang keine kausale Therapie. In einer internationalen Pilotstudie unter wesentlicher Beteiligung der Universitätsmedizin Leipzig ist nun erstmals ein therapeutischer Ansatz erfolgreich an Patientinnen erprobt worden: Eine spezielle Form der Blutwäsche kann das krankheitsauslösende Protein entfernen.
Vor rund 20 Jahren identifizierten US-amerikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das entscheidende, „giftige“ und krankheitsauslösende Protein für Präeklampsie im mütterlichen Blut: die lösliche fms-ähnliche Tyrosinkinase 1 (sFlt-1). Während dieses Protein inzwischen für die Diagnostik der Erkrankung genutzt wird, fehlt bisher aber eine Möglichkeit, gezielt therapeutisch einzugreifen. In der aktuellen hochrangigen Pilotstudie hat nun ein internationales Team ein Verfahren entwickelt, bei dem das krankheitsverursachende Protein mithilfe eines spezifischen Antikörpers aus dem Blut der Schwangeren entfernt wird. Wesentlich beteiligt daran war Prof. Dr. Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig und Studiendekan Hebammenkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig.
Technisch erfolgt das neue Verfahren über eine spezielle Form der Blutwäsche, die sogenannte Apherese. Ein eigens entwickelter Filter kann das krankheitsauslösende und giftige Protein gezielt binden und entfernen. Nach erfolgreichen präklinischen Untersuchungen, unter anderem in Tiermodellen in Australien, wurde die Apherese nun erstmals bei schwangeren Patientinnen angewendet. Insgesamt wurden neun Frauen im Rahmen der Studie behandelt, davon sieben am Universitätsklinikum Leipzig und zwei am Universitätsklinikum Köln. „Die Ergebnisse sind vielversprechend: Wir konnten zeigen, dass die Konzentration des krankheitsauslösenden Proteins im Blut gesenkt wird. Gleichzeitig stabilisierte sich der klinische Zustand der Patientinnen und die Schwangerschaft konnte in mehreren Fällen verlängert werden“, sagt Prof. Dr. Holger Stepan.
Die internationale Studie ist das Ergebnis von rund 15 Jahren Forschungsarbeit – von den ersten Laboruntersuchungen über die Entwicklung eines spezifischen Filters bis hin zur klinischen Anwendung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen nun in weiteren Studien prüfen, ob sich das Verfahren langfristig als Standardtherapie etablieren lässt. Der nächste Schritt ist eine größere multizentrische Studie mit deutlich mehr Patientinnen.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft









